Filmproduktion im Ausland – Das Abenteuer vor dem Abenteuer

Teil 3 – Die Checkliste

In diesem Blogbeitrag geht es um professionelle Auslanddrehreisen außerhalb Europas. Wir haben euch die wichtigsten Informationen in einer Checkliste inkl. wichtiger Links zusammengetragen.

Wenn ihr euch über Bedingungen für Drehreisen in Europa informieren möchtet, lest bitte den Teil 1.

Und wenn ihr erfahren wollt, was passieren kann, wenn keine sorgfältige Vorbereitung stattgefunden hat, lest bitte meinen Reisebericht im Teil 2.

Falls ihr eher Hobbyfilmer seid und mit einer Fotokamera eure Reisefilme dreht, ist vielleicht trotzdem der eine oder andere Tipp für euch dabei. Viel Spaß beim Blog: Das Abenteuer vor dem Abenteuer.

In vielen afrikanischen, asiatischen und südamerikanischen Ländern gibt es zum Teil wesentlich größere Herausforderungen vor Drehstart zu bewältigen als in Europa. So schön alle meine Produktionen in exotischen Ländern bisher waren, so war es doch fast immer ein kleines Abenteuer erst einmal zum Drehort zu gelangen.

Für mich sind gerade diese Länder besonders reizvolle Drehziele. Von Drehreisen ohne die entsprechenden Genehmigungen, Visa, Presseakkreditierung, Zollformulare, und ohne eine gründliche Recherche zu Klima, Kultur, Politik, Kriminalität und Verhaltensregeln rate ich aus meiner Erfahrung dringend ab.

Die Vorbereitung

Reisen außerhalb der EU erfordern einen großen vorherigen Planungsaufwand, viel Zeit in der Vorbereitung, Geduld, Fingerspitzengefühl, Hartnäckigkeit und manchmal auch ein wenig Glück. Hilfreich finde ich es, andere Kollegen/*innen zu fragen, die Dreherfahrungen in dem jeweiligen Land haben und vielleicht sogar hilfreiche Kontakte vor Ort haben.

Ansonsten hilft der Blick auf die Website des Auswärtigen Amtes.

Musik in der Videoproduktion - Mehr als nur ein Klangteppich

Checkliste

  1. Thema, Drehzeitraum und Drehorte mit Protagonisten und verantwortlichen Stellen abstimmen (Einladungsschreiben, Bestätigung Drehort/Drehtermin)
  2. Falls erforderlich, von offiziellen Stellen Drehgenehmigungen beantragen, die bei der Einreise vorgelegt werden müssen.
  3. Arbeits-/Pressevisum für alle Teammitglieder
  4. Impfvorschriften und Reise-Empfehlungen (Klima/Kultur/Verhaltensregeln)
  5. Weltweite Versicherungen abschließen, Produktionsversicherung, Haftpflichtversicherung und Equipment Versicherung
  6. Zollformulare: entweder Carnet (falls möglich) oder anderenfalls Equipment-Liste und INF-3 Formular
  7. Reise buchen (Zeiten für Einreise-/Zoll-Prozedere mit einplanen)
  8. Übergepäck anmelden und Kosten dafür einplanen. IATA-Regeln für Gepäck beachten!
  9. Barkasse/Handgeld
  10. Vor der Reise alles nochmal checken: Ersatztechnik einplanen und Filmdienstleister für Ersatztechnik, Konsulatskontakte, Pressekontakte, Kopien von Reisepass, Visum und Impfpass anfertigen und getrennt mitnehmen

1. Einladungsschreiben, Bestätigungsschreiben

Das allererste ist die Absprache mit den Kontaktpersonen vor Ort zum Drehzeitraum, Drehort und dem Drehaufwand, sowie den beteiligten Personen. Dann sollte ein Drehkonzept/Expose oder manchmal sogar ein detailliertes Drehbuch erstellt werden, welches das Thema und den Drehaufwand beschreibt. In einigen Ländern ist es nötig, dass eine offizielle Bestätigung oder sogar ein Einladungsschreiben der beteiligten Protagonisten/Firmen/Institutionen von der Filmproduktion mit den Einreiseunterlagen (bitte in Englisch und/oder der Landessprache) vorgelegt wird. Je nach Thema ist da auch mal Fingerspitzengefühl gefragt.

2. Offizielle Drehgenehmigung

Jedes Land geht anders mit den Genehmigungen von Filmaufnahmen um. In einigen Ländern, wie z.B. China und Russland kann es vorkommen, dass Drehanfragen von offiziellen Stellen genehmigt werden müssen. Vorher geht gar nichts. Wenn der Film genehmigt ist, wird dann manchmal ein staatlich beauftragter Medienbetreuer mitgeschickt. Oft muss die Filmproduktion die Kosten für den „Aufpasser“ tragen.

3. Arbeitsvisum oder Pressevisum

Ein Arbeitsvisum zu beantragen, kostet mehr Geld als ein Touristenvisum und erfordert ebenfalls einen mindestens noch 6 Monate gültigen Reisepass. Für Dreharbeiten reicht ein Touristenvisum oft nicht aus. Für die Beantragung müsst ihr den Reisepass an das zuständige Konsulat oder die Botschaft schicken und einen Grund für das Visum benennen. Die Bearbeitung dauert in der Regel zwischen zwei und vier Wochen. Manchmal muss man sogar persönlich beim Konsulat vorstellig werden (Bsp. Pressevisum USA).

Tipp: einen zweiten Reisepass ausstellen lassen.

Es kann nämlich passieren, dass ein Reisepass mit vielen Einreisestempeln bestimmter Länder in anderen Ländern nicht gerne gesehen wird. Schlimmstenfalls wird dann die Einreise verweigert. Deshalb habe ich zwei Reisepässe. Und es hilft ebenfalls bei vielen Auslandsreisen kurz hintereinander einen zweiten Pass zur Hand zu haben, wenn der andere mal wieder bei einem Konsulat liegt.

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4. Allgemeine Reisinformationen

Viele Filmproduktionen unterschätzen die Wichtigkeit dieser Reiseinformationen. Was hilft es, wenn der Auslandsdreh platzt, weil einem Mitglied aus dem Team der Reisepass und die Kreditkarten gestohlen wurden, weil die Einreise wegen fehlender oder unvollständiger Zollformulare oder einem Touristen- statt Arbeitsvisum verweigert wird, oder der Impfpass mit der Gelbfieberimpfung fehlt. Was hilft es, wenn ihr im Juli mit sommerlicher Kleidung in Tasmanien oder im südlichen Chile (Patagonien) dreht und ihr euch eine saftige Erkältung einfangt. Oder ihr dreht in den Subtropen in 4000m Höhe (ist auch kalt) und fangt euch eine Höhenkrankheit ein. Manchmal ist es auch ratsam auf die richtig teure hochprofessionelle Filmtechnik zu verzichten, wenn die Gefahr besteht, dass sie gestohlen wird. Ich finde, diese wenigen Beispiele sprechen doch dafür, sich ausführlich über das Land und die geplanten Drehorte zu informieren.

Das Auswärtige Amt hat aktuelle nützliche Informationen zu allen Ländern weltweit. Ich gehe auf keine exotische Reise, ohne auf diese Website zu schauen. Andere nützliche Tipps geben Reiseanbieter. Da schau ich auch gerne mal in die aktuellen Kommentare.

Neu beim Auswärtigen Amt ist eine App, die ständig die Infos zum jeweiligen Reiseland aktualisiert.

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Speziell die Informationen zu Klima, Sicherheit, Impfvorschriften und die politische Situation haben also Einfluss auf meine Reise-Vorbereitung. Welche Kleidung packe ich ein, wie sieht meine Reiseapotheke aus, wie sicher ist meine Filmausrüstung und wann/wo/wie kann ich mich selbst sicher im Land in der jeweiligen Region bewegen.

Unabhängig von der gegenwärtigen Corona Pandemie gibt es auch andere Krankheiten über die sich zu informieren lohnt. Eine Impfung z.B. gegen Gelbfieber gibt es nur bei dafür ausgebildeten Tropenmedizinern oder direkt in den Tropeninstituten und der Nachweis ist in einigen Ländern Afrikas und Südamerikas Pflicht.

5. Versicherungen

Versicherungen sind zwar teuer, aber notwendig, wenn etwas passiert. Bei vielen Versicherungen kann man ein Grundpaket abschließen, meistens mit dem Geltungsraum EU/Europa, das dann bei Bedarf für das jeweilige Land erweitert werden kann.

Tipp: Die USA und Kanada sind oft in den Verträgen ausgeschlossen und müssen auch bei der Berufshaftpflicht häufig extra abgesichert werden.

6. Zollformulare

Wenn möglich erstelle ich immer ein Carnet. Ist das Land nicht im Carnet-Abkommen, benutze ich ein INF-3 für die Aus- und Einreise nach Deutschland/Europa und eine Equipmentliste für das jeweilige Land. Oft wird diese Liste schon vorab an die dortigen Behörden per Mail/Fax gesendet.

7. Reise buchen

Ein echtes Problem können zu kurze Umsteigezeiten an den Flughäfen sein, wenn wir mit viel Equipment unterwegs sind und die Zollformalitäten erledigen müssen. Meistens kann der Zoll bei der Einreise nur an einem internationalen Flughafen gemacht werden. Dann macht es Sinn, den anschließenden Inlandsflug so zu terminieren, dass dafür genug Zeit für die Formalitäten bleibt, insgesamt ca. 1,5-2 Stunden, sonst wird es eng.

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8. Übergepäck

Die verschiedenen Airlines haben unterschiedliche Regelungen für Übergepäck und für Reisen mit mehreren Gepäckstücken. Mal werden extra Kilos berechnet, mal gibt es Pauschalen für jedes weitere Gepäckstück. Am teuersten wird es aber garantiert, wenn wir erst beim Einchecken feststellen, dass das zusätzliche Gepäck nicht angemeldet worden ist.

Deshalb mein Tipp: Packt eure persönlichen Sachen und die Technik Zuhause vorab, wiegt das Ganze und meldet das Übergepäck rechtzeitig mit der Reisebuchung bei der Airline an. Das ist zwar Arbeit, aber es spart viele Nerven am Check-In am Flughafen.

Denkt bitte auch daran, euch über die aktuellen internationalen Flugsicherheitsregeln zu informieren. Eure Airline und die IATA geben Auskunft darüber, was im Handgepäck mitgeführt werden muss und was ins aufgegebene Gepäck darf. Akkus und Batterien sind zurzeit nur im Handgepäck erlaubt und das auch nur in bestimmter Anzahl und Akku-Leistung.

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9. Handgeld

Je nach Land macht auch eine Handkasse, also Bargeld Sinn. US-Dollar sind überall auf der Welt akzeptiert. Ich habe an Produktionen mitgearbeitet, wo wir mehrere Tausend US-Dollar als Handkasse mitgenommen haben, um vor Ort Eintrittsgelder, Hotelkosten, Leihautos oder auch Stringer zu bezahlen. Das Geld solltet ihr aufteilen und z.B. am Körper sicher verwahren.

10. Der letzte Check

Dieser Punkt in der Checkliste hilft mir noch einmal alles zu kontrollieren. Ich nehme immer eine Kopie vom Reisepass und Impfausweis mit, eine kleine Ersatzkamera, mit der ich zur Not weiterarbeiten kann und eine Liste mit allen Kontakten, die mir im jeweiligen Land bei Problemen helfen könnten. Darüber hinaus nutze ich verschiedene Möglichkeiten mein Privatgepäck und meine Technik zu verpacken. Nicht immer machen Flightcases Sinn. Da ist ebenfalls Kreativität angesagt, wenn man Kosten sparen muss.

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